Typisch deutsch

Bienenhaus:

Als ich mit meiner Imkerei begann, entschloss ich mich ein Bienenhaus zu bauen.

Eigentlich wollte ich mir im Baumarkt ein kleines Gartenhaus kaufen und darin ca. 6-7 Völker unterbringen. Die Dinger sehen gut aus und sind preiswert. Auf der Imkerschule wurde ich darauf hingewiesen, daß so ein Teil nicht genehmigungsfähig ist. Ich habe mich daraufhin hingesetzt und mit einem CAD- Programm das Bienenhaus, so wie ich mir es vorstellte gezeichnet. Selbstverständlich mit allen möglichen Ansichten und Bemaßungen.

Ich habe den Antrag auf der Gemeinde gestellt und wurde dort auch wirklich mit allen Möglichkeiten unterstützt.

Der Antrag ging dann an das Landratsamt. Hier zeigte sich dann der Unterschied zwischen den Sonntagsreden der Politiker (Bienen sind ja sooo wichtig und unverzichtbar und die Politik wird alles tun um die Imker zu unterstützen) und der Realität.

Nachdem ich ewig nichts mehr hörte rief mich eines Tages ein Mitarbeiter der Behörde an und sagte: ”So geht das nicht Herr Braun!”

Ich benötigte für eine Holzhütte mit 3x5m den Plan eines Architekten!!

Die Zeichnung des Architekten war bei weitem nicht so genau und ausführlich wie meine CAD Zeichnung. Allerdings war darunter ein Stempel und das genügte.

 

 

Varroa:

 

Weltweit sind (mit Ausnahme von Australien) praktisch alle Bienenvölker mit der Varroamilbe belastet. Während sich in den Stammländern der Milbe die Bienen an den Parasiten gewöhnt haben und gelernt haben mit ihm zu leben, sind unsere Bienen noch hilflos. Wir Imker müssen den Bienen solange helfen, bis sie gelernt haben sich zu wehren.

Dazu gibt es inzwischen viele wirksame, mehr oder weniger schädliche Mittel. Ohne unsere Hilfe schaffen`s die Bienen noch nicht und es ist Sache der Imker, die für den Honig und den Bienen am wenigsten schädlichen Mittel auszuwählen.

Es darf kein! Mittel während der Tracht eingesetzt werden.

Ameisensäure:

Wird nach der Tracht (Mitte Juli bis Anfang September) angewendet. Sie wirkt in die Brut, und ist meiner Meinung nach, das einzige Mittel, das zu dieser Jahreszeit eingesetzt werden sollte. Ameisensäure kommt auch im Honig vor. Dieser ist aber zu dieser Zeit bereits aus dem Volk. Eine Schädigung des Honigs ist damit ausgeschlossen.

 

Milchsäure:

Wird auf die Bienen in den Ableger gesprüht. Milchsäure ist sehr gut Bienenverträglich. Ableger erzeugen im Jahr der Bildung keinen Honig. Eine Schädigung des Honigs ist damit ebenfalls ausgeschlossen.

 

Oxalsäure:

Kommt in vielen Lebensmitteln natürlicherweise vor. Die Oxalsäure ist für die Winterbehandlung zur Restentmilbung prädesteniert

Bei der Anwendung scheiden sich aber die Geister.

Es gibt die Träufelmethode, die Sprühmethode und das Verdampfen. In Deutschland zugelassen ist aber nur die Träufelmethode. Dieses Verfahren widerstrebt mir aber, weil ich dazu die Beute mitten im Winter aufreissen muss, (die die Bienen im Hebst mühsam mit Propolis abgedichtet haben) und dann schütte ich Wasser in das Volk. Ausserdem geht aus der Literatur hervor, dass nur eine Behandlung durchgeführt werden darf, weil das Volk eine 2. Behandlung nicht überlebt.

Beim Verdampfen wird ein Heizkörper durch das Flugloch in die Beute geschoben und ca. 1g Oxalsäure verdampft. Das Volk wird dabei nicht gestört, und, wenn die Behandlung nicht richtig wirkte, kann auch problemlos eine 2, Behandlung durchgeführt werden.

 

Diese Behandlung ist aber, im Gegensatz zur Schweiz und Österreich, in Deutschland nicht erlaubt.

Über die Ursache dieses Verbotes bin ich mir nicht ganz im Klaren.

Eine EU Verordnung kann es nicht sein, da Österreich in der EU ist. Rückstände können es auch nicht sein, der Import aus diesen Ländern ist erlaubt. In den Imkerzeitschriften wird die Anwendersicherheit vorgeschoben. Das heisst, dass die deutschen Politiker uns deutsche Imker für dümmer hält als die Österreicher und Schweizer Ihre Bürger.

Etwas Licht könnte in die Angelegenheit kommen wenn man weiss, dass 1kg. Oxalsäure ca 10€ kostet, die Behandlungslösung, die erlaubt ist, für 5 Behandlungen auch ca. 10€ kosten. (Setzt sich aus 300g Zucker und ca. 300ml Wasser sowie 17mg Oxalsäure zusammen)

Wieso ich zum Einfüttern Haushaltszucker benützen darf, zur Varroabehandlung nicht, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Es drängt sich einfach der Verdacht auf, daß die Pharmaindustrie wieder mal erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet hat.

Eine Anfrage deshalb an das Landwirtschaftsministerium wurde an das Gesundheitsministerium weitergeleitet, von dem habe nach ca. 2 Monaten einen Brief erhalten. Einen derart belanglosen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Ich wurde auf die Gesetzeslage hingewiesen, aber praktisch nicht auf meine Frage eingegangen.

Um es Klarzustellen: Die Behandlung eines Volkes kostet 2€. Bei den wenigen Völkern die ich habe, spielt das keine Rolle. Die Träufelmethode funktioniert! (Käfighaltung mit Hünern funktioniert auch, trotzdem lehne ich sie ab). Seit mehreren Jahren habe ich mit dieser Methode keine Varroaverluste. Ich halte das Verdampfen für die Bienen einfach für verträglicher und mich ärgert es masslos, dass uns unsere Politiker für zu dumm halten einfache Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen. Die Österreicher und Schweizer Politiker haben mehr Vertrauen zu Ihren Bürgern.

 

Mein Brief an das Landwirtschaftsministerium:

 

Sehr geehrte Damen und Herren.

Ich bin Imker und mit den derzeitigen Vorschriften zur Varroabehandlung nicht einverstanden,

Zur Winterbehandlung der Bienen muß ich die Bienenkästen, die die Bienen im Herbst mühsam abgedichtet haben, aufreißen und Wasser über die Bienen kippen. In Österreich und der Schweiz ist auch das Verdampfen zugelassen. Dieses Verfahren ist auf jeden Fall deutlich bienenvertäglicher als das Träufeln. Um Rückstände kann es nicht gehen, da die Importe aus diesen Ländern zugelassen sind. Wenn die Anwendersicherheit vorgeschoben wird, unterstellen Sie damit, daß Sie die bayerischen Imker für blöder halten, als die Österreicher. Auch kann es keine EU- Vorschift sein, da Österreich auch EU Mitglied ist.

Nach den letzten Parteispenden der Hotelindustrie, die "zufällig" erfolgte als die Mehrwertsteuer gesenkt wurde, drängt sich mir der Verdacht auf, daß die Chemische Industrie auch eine erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet hat. 10€ für 300g Zucher und ca 200ml Wasser sind ja auch nicht schlecht.

Mit der Hoffnung auf eine baldige Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Josef Braun

PS

Dieses Schreiben und auch Ihre Antwort werde ich bei der nächsten Imkerversammlung verteilen.

 

 

Die Antwort:

Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Gesundheit


StMUG - Postfach 81 01 40 - 81901 München

Herrn
Josef Braun

info@braun-bibertal.de

nachrichtlich:

StMLF
Ihre Nachricht Unser Zeichen
41d-G8891-2010/12-2
Telefon +49 (89) 9214-3138
Dr. Christiane Zeller-Lue
Christiane.Zeller-Lue@stmug.bayern.de
München
30.03.2010

Arzneimittelrecht;
Einsatz der Oxalsäure-Standardzulassung zur Behandlung der Varoose der Bienen


Sehr geehrter Herr Braun,


vielen Dank für Ihre E-Mail vom 28.01.2010 an das Bayerische Staatsministerium
für Landwirtschaft und Forsten, in der Sie die Einsatzmöglichkeit der Oxalsäure zur
Behandlung der Varoose der Bienen thematisieren. Da wir für arzneimittelrechtliche
Fragestellungen zuständig sind, wurden wir gebeten, Ihnen zu antworten.

Für die Behandlung der Varroose der Bienen stehen in Deutschland mehrere Tierarzneimittel
mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung.
Die Standardzulassung für Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % (m/V) ad us. vet.
zur Behandlung der Varroose der Honigbiene wurde mit Bundesgesetzblatt vom
26.10.2006 bekannt gemacht. Damit darf Oxalsäure in Form der apothekenpflichtigen
Standardzulassung entsprechend der mit o.g. Rechtsverordnung veröffentlichten
Monographie (http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl106s2287.pdf) zur Behandlung
der Varroose der Honigbiene angewendet werden.

Die Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % (m/V) ad us. vet. ist als Standardzulassung

Recyclingpapier aus 100% Altpapier

Standort
Rosenkavalierplatz 2
Öffentliche Verkehrsmittel
U4 Arabellapark
Telefon/Telefax
+49 89 9214-00 /
E-Mail
poststelle@stmug.bayern.de
81925 München +49 89 9214-2266 Internet
www.stmug.bayern.de


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apothekenpflichtig. Sie können sie daher ohne tierärztliche Verschreibung in der Apotheke
sowie ggf. im Rahmen des jährlichen Abgabeverfahrens bei Ihrer zuständigen Kreisverwaltungsbehörde
beziehen.
Die Anwendung der Oxalsäure-Standardzulassung zur Bekämpfung der Varroose der Bienen
darf nur entsprechend der Kennzeichnung/Gebrauchsinformation bzw. beim Bezug über
die Kreisverwaltungsbehörde nach der veterinärbehördlichen Anweisung erfolgen.

Die Zulassung von Arzneimitteln als Grundlage für Sicherheit, Qualität und Unbedenklichkeit
wird durch die Bundesoberbehörden durchgeführt. Prüfungen zur Unbedenklichkeit ermöglichen
eine Abschätzung des Risikos, das von einer Therapie mit dem jeweiligen Produkt
auch unter Berücksichtigung der Anwendungsbedingungen ausgehen kann. Uns liegen keine
Kenntnisse vor, ob die Möglichkeit einer Verdampfung ggf. beantragt und nicht zugelassen
wurde.

Entsprechend seiner Monographie ist das Arzneimittel in Deutschland nur zur Träufelanwendung
im brutfreien Bienenstock zugelassen. Eine Anwendung durch Verdampfung ist
aus den o. g. Gründen nicht erlaubt.

Mit freundlichen Grüßen

gez.
Dr. Christiane Zeller-Lue
Veterinärdirektorin

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